Doku­men­te scan­nen mit den Smartphone

Es gibt vie­le Lösun­gen, um lokal am Smart­phone Doku­men­te zu scan­nen. Mein Ziel ist aber eine Steue­rung vom Linux-PC aus, um die Doku­men­te dann direkt in Paper­works zu importieren.

Fol­gen­de Mög­lich­kei­ten habe ich näher untersucht:

  • kde­con­nect
  • IP Web­cam
  • Dro­id­cam
  • Scrc­py
  • Remo­te­Cam
  • Iri­un Webcam

In kde­con­nect, einer kde app, die das Smart­phone mit dem kde Desk­top ver­bin­det und Aktio­nen wie Anzei­ge von Mel­dun­gen, Medi­en­steue­rung und Datei­aus­tausch anbie­tet, wird in älte­ren Bei­trä­gen die Opti­on --pho­to erwähnt, die eine Auf­nah­me am Smart­phone aus­lö­sen soll. In Ver­si­on 25.04 exis­tiert die­se Opti­on aller­dings nicht mehr; sie ist wohl der Ein­füh­rung von Plas­ma 6 zu Opfer gefal­len und schei­det damit aus.

IP Web­cam ist eine Android App, die das Smart­phone zur Web­cam machen soll. Sie ist aller­dings der­ma­ßen mit Wer­bung voll­ge­stopft, dass sie abso­lut unbe­dien­bar ist. Sie flog nach weni­gen Minu­ten erfolg­lo­sen Pro­bie­rens, doch noch eine Ein­ga­be­tas­te zu tref­fen, wie­der von mei­nem Telefon.

Dro­id­cam hat eine sehr Ähn­li­che Funk­tio­na­li­tät, und die Android-App läuft auch rei­bungs­los. Die Linux-Sei­te macht aller­dings auf Debi­an Pro­ble­me. Das liegt an der in aktu­el­len Ver­sio­nen feh­len­den lib­appin­di­ca­tor Appli­ka­ti­on (die iegent­lich nur für ein Sym­bol in der Sta­tus­leis­te sor­gen soll). Der Doid­cam-Anbie­ter lie­fert zwar die feh­len­den Pake­te nach, die­se las­sen sich wegen uner­füll­ba­rer Abhän­gig­kei­ten nicht installieren.

Scr­py ist eigent­lich eher ein Werk­zeug zur Fern­be­die­nung des Smart­phones; die Foto-Funk­ti­on ist nur ein Sei­ten­ef­fekt des remo­te Desk­tops. Ent­spre­chend unkom­for­ta­bel ist Instal­la­ti­on, Kon­fi­gu­ra­ti­on und Bedie­nung sowie die Über­tra­gung der Dateien. 

Remo­te­Cam sah eigent­lich inter­es­sant aus: ein Open Source Pro­jekt, kos­ten­los und ohne Wer­bung und mit posi­ti­ven Kom­men­ta­ren. Das Smart­phone stellt einen mjpeg-Stream zur Ver­fü­gung, aus dem man die Scans vom PC aus über einen Brow­ser oder per ffmpeg grab­ben kann. Lei­der friert die App auf mei­nem Smart­phone sofort ein und reagiert auf der Netz­sei­te nicht.

Ich habe mich also letz­ten Endes Iri­un Web­cam zuge­wen­det. Es ist, ähn­lich wie Droic­cam, IP Web­cam und Remo­te­Cam eine Appli­ka­ti­on, die das Smart­phone zur Web­cam macht. Die Android-Instal­la­ti­on aus dem Play­s­to­re ist pro­blem­los, und nach dem Start war­tet die App schon auf eine Ver­bin­dung zum Smartphone.

Die Linux-App ist nicht in den übli­chen Paket­quel­len ent­hal­ten. Sie wird von der Iri­un-Web­sei­te als deb-Paket her­un­ter­ge­la­den und lokal instal­liert. Das funk­tio­niert zunächst ohne Pro­blem, aber beim Start beschwert sich die Soft­ware über das feh­len­de Ker­nel-Modul v4l2loopback. Das ent­spre­chen­de Paket (v4l2­loop­back-dkms) ist zwar instal­liert, aber das Ker­nel­mo­dul ist nicht geladen.

Das Nach­la­den mit:

sudo modprobe v4l2loopback exclusive_caps=1 devices=1 card_label="Iriun Webcam"

läuft auch in einen Fehler:

FATAL: Module v4l2loopback not found in directory /lib/modules/6.12.63+deb13-amd64

Das deu­tet dar­auf hin, dass das Modul noch nicht kom­pi­liert wur­de und des­we­gen im Modul-Ver­zeich­nis fehlt. dkms sta­tus zeit das Modul zwar als „added”, aber nicht als „instal­led”. Es muss also zunächst mit fol­gen­den Kom­man­dos erzeugt werden:

sudo apt update
sudo apt install linux-headers-$(uname -r) dkms build-essential
sudo dkms build -m v4l2loopback -v 0.15.0 -k $(uname -r)
sudo dkms install -m v4l2loopback -v 0.15.0 -k $(uname -r)

Danach soll­te dkms status so aussehen:

v4l2loopback/0.15.0, 6.12.63+deb13-amd64, x86_64: installed

Nun kann es per mod­pro­be gela­den werden:

sudo modprobe v4l2loopback exclusive_caps=1 devices=1 card_label="Iriun Webcam"

Wenn alles geklappt hat zeigt lsmod:

$ lsmod | grep v4l2loopback
v4l2loopback           61440  0
videodev              368640  1 v4l2loopback

und

$ v4l2-ctl --list-devices
Iriun Webcam (platform:v4l2loopback-000):
        /dev/video0

Die Iri­um-Web­cam ist also als Gerät /dev/video0 ver­füg­bar. Das Ker­nel-Modul muss nun nur noch boot­fest gemacht werden:

echo 'options v4l2loopback exclusive_caps=1 devices=1 card_label="Iriun Webcam"' | sudo tee /etc/modprobe.d/v4l2loopback.conf

Der Iri­un Linux-Cli­ent zeigt sich danach schweig­sam und schmucklos:

Aus dem lau­fen­den Stream kann man dann jeder­zeit mit ffmpeg ein Bild­schirm­fo­to aufnehmen:

fswebcam -d /dev/video0 -r 1920x1080 --jpeg 95 --no-banner ~/scans/page.jpg

Ob sich das Gan­ze Pro­ze­de­re dann auch in der Pra­xis bewährt, oder ob ein loka­les Scan-Pro­gramm auf dem Android Smart­phone mit anschlie­ßen­der Über­tra­gung der Datei­en doch die bes­se­re Lösung ist, wird sich mit der Zeit zeigen.

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